„Paul Bermond: 75902 – KZ-Häftling in Dachau und Kempten“
herausgegeben von Dr. Christine Müller Horn, aus dem Französischen übersetzt von Gini Bermond
Cover (c) Likias Verlag
Schon als im Jahr 2011 in Kempten bekannt wurde, dass Zeichnungen aus dem KZ-Außenlager Kempten existieren, war das eine kleine Sensation. Der KZ-Häftling Paul Wernet, der im KZ-Lagerlager in Kempten als Dolmetscher für die Franzosen fungierte, hatte sich 1944/45 von einem Mithäftling heimlich Szenen aus dem Lageralltag in zwei kleine Hefte zeichnen lassen, betitelt mit ➜ "Souvenirs de Captivité – „Erinnerungen aus der Gefangenschaft“. Er bewahrte diese Hefte bis kurz vor seinem Tod auf, bevor sie 2011 vom Kulturamt und dem Heimatverein Kempten angekauft wurden und später als Repro-duktionen teilweise in der Dauerausstellung im Kempten-Museum präsentiert wurden. Unklar blieb damals, von wem die Zeichnungen stammen.
Dies klärte sich erst im Herbst 2023 durch verschiedene glückliche Umstände auf. Anfang November 2023 schließlich hielt Paul Bermond, der in den Jahren 1944 und 1945 ebenfalls im KZ-Außenlager in Kempten inhaftiert war, in seiner französischen Heimat das vom Kempten-Museum herausgegebene gleichnamige Buch Souvenirs de Captivité in der Hand: „Darin habe ich zu meiner großen Überraschung alle meine Zeichnungen, die ich in Kempten für Paul Wernet erstellt hatte, entdeckt. Durch eine Kette aus Zufällen, einer unglaublicher als der andere, hat sich der Kreis endlich geschlossen“, schrieb er an den Historiker und Autor des Wernet-Buches Markus Naumann.
Ungeschönte menschenverachtende Brutalität dargestellt
Nun erscheint unter Herausgeberschaft von Museumsleiterin Dr. Christine Müller Horn im Likias Verlag die Publikation „Paul Bermond: 75902 – KZ-Häftling in Dachau und Kempten“, die über 50 schwarz-weiß-Zeichnungen enthält, die maßgeblich das Bild ergänzen, das bisher von der Lagerrealität in Kempten bekannt war und die für die Erinnerung an die nationalsozialistische Gewaltherrschaft vor Ort in Kempten ein bedeutendes Puzzleteil darstellt.
Paul Bermond selbst hatte 2008 in Frankreich ein kleines Buch unter dem Titel seiner Häftlingsnummer „75902“ verfasst. Es enthält 53 Zeichnungen und Aquarelle, welche unmittelbar nach seiner Rückkehr nach Frankreich im Sommer 1945 entstanden sind. Dieses Buch liegt der deutschen Veröffentlichung zugrunde: „75902“ ist in deutscher Übersetzung zusammen mit dem französischen Ursprungstext und einigen ergänzenden Anmerkungen der Herausgeberin erschienen. Die Übersetzung stammt von Paul Bermonds in der Schweiz lebenden Nichte Gini Bermond.
Inhaltlich spannt sich in diesem Buch der Bogen von der Verhaftung Paul Bermonds über die Gefangenschaft in Frankreich sowie die Deportation in die deutschen Konzentrations-lager Dachau und dessen Außenlager Kempten bis zur Befreiung. Geschildert wird in Bild und Wort der Alltag der Häftlinge mit all seinem Leid und seinen Erniedrigungen und wie sie beidem standgehalten haben. Die französische Originalausgabe erwuchs aus Vorträgen von Bermond als Zeitzeuge an Schulen. Der Gedanke, dass jetzt neben französischen auch deutsche Schülerinnen und Schüler seine Erinnerungen an die Zeit der NS-Gewaltherrschaft teilen und sich informieren können, freut den hochbetagten Paul Bermond sehr.
„Paul Bermond: 75902 – KZ-Häftling in Dachau und Kempten“ ist erhältlich im Museumsshop des Kempten-Museums sowie im Buchhandel.
Die Publikation ist erschienen in der Reihe "Kataloge und Schriften der Museen der Stadt Kempten (Allgäu)", Band 33 und wird vom Likias Verlag, Friedberg verlegt.
119 Seiten I ISBN: 978-3-949257-24-7
Preis: 18 €





