16. Mai bis 5. September 2021

In einem Hilde vor unserer Zeit

Eine Kemptener Schulgeschichte

Schülerprojekt: Knapp 150 Jahre Hilde neu erzählt

Die Ausstellung „In einem Hilde vor unserer Zeit“ gibt Einblicke in die knapp 150jährige wechselvolle Schulgeschichte des Hildegardis-Gymnasiums. 12 Schülerinnen und Schüler des „Hilde“ haben die Ausstellung in einem Projektseminar erarbeitet. Zahlreiche historische und aktuelle Fotografien, Texte, Videointerviews mit fast 100jährigen Zeitzeuginnen und Aktivstationen laden ein, mehr über ein Stück Kemptener Zeitgeschichte zu erfahren.


Videos zur Ausstellung


Ausstellung-In-einem-Hilde-vor-unserer-Zeit-KemptenMuseum.pngSchülerinnen vor der Städtischen Höheren Töchterschule im Neubronner Haus 1908

Ruf nach höherer Bildung für Töchter

Kinder, Küche, Kirche – dort schien Ende des 19. Jahrhunderts noch der naturgegebene Platz der Frauen zu sein. Doch der Wandel zur Gleichberechtigung begann schon damals, wie die wechselvolle Geschichte des Hildegardis-Gymnasiums belegt.

Nach der Reichsgründung 1871 erlebte das Deutsche Reich eine rasante Industrialisierung, Fachkräfte wurden dringend gesucht – zunehmend auch Frauen. Und so forderten auch bald einflussreiche Kemptener Bürger eine höhere Bildung für ihre Töchter. Sie setzten im Stadtrat durch, dass 1874 die „Städtische höhere Töchterschule“ ins Leben gerufen wurde, Vorläufer des heutigen Hildegardis-Gymnasiums.

Manche Fächer spiegelten noch lange das traditionelle Frauenbild wider: Hauswirtschaft, Handarbeiten und sogar Anstandslehre, jedoch standen auch Naturwissenschaften und Fremdsprachen auf dem Lehrplan. Erst seit 1971 sind auch Jungen zugelassen.


Sonderausstellung Hilde_ZeitzeuginnenDrittesReich.jpgAusstellungsbereich: Schule und Nazionalsozialismus mit Zeitzeuginnen-Portraits und Video-Station

Schule im Dritten Reich

In der Schulgeschichte spiegelt sich auch die Zeitgeschichte: Die Nationalsozialisten drückten dem damaligen „Mädchenlyzeum“ ihren Stempel auf. Die Ausstellung bietet dazu Interviews mit Zeitzeuginnen, die in den 1930er-Jahren die Schule besucht haben:

  • Emmi Fischl (Jahrgang 1922) erzählt von ihren Erlebnisse als eine der wenigen jüdischen Schülerinnen, von Boykotten, Verboten und ihrer Auswanderung in die USA;
  • Gertrud Diehl (Jahrgang 1926) und Anneliese Helmer (Jahrgang 1922) berichten aus dem Schulalltag katholischer Mädchen.

21-05_3_Hilde_Baugeschichte.jpgAusstellungsbereich: Das Hilde auf seinem Weg durch Kempten

Wechselvolle Baugeschichte

Die Schule wuchs stetig und wanderte im Lauf der Zeit durch die Stadt: Vom Gebäude der Suttschule 1874 über das Neubronner Haus am Rathausplatz bis zum Lyzeum am Plätzle, wo sich heute die ZUM befindet. 1961 zog die Schule in einen Neubau an der Lindauer Straße, wo sie heute noch als Hildegardis-Gymnsium zu finden ist.


2018 war die Ausstellung erstmals im AÜW gezeigt worden, nun ist sie bis zum 5. September im Kempten-Museum zu Gast.

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